

Deutschlands Olympia-Hoffnung im Tornado-Segeln: Johannes Polgar und Florian Spalteholz hier beim Wettkampf an der Küste Spaniens.
Herr Polgar, 2006 war für Sie ein erfolgreiches Jahr. Sie
belegten bei der Tornado-Weltmeisterschaft in Argentinien gemeinsam mit
Ihrem Teamkollegen Florian Spalteholz den sechsten Platz. Hat Sie jetzt
der Olympia-Spirit gepackt?
Der olympische Gedanke hat mich bereits im meiner Jugend ergriffen. Die
gute Platzierung bei der Tornado-Weltmeisterschaft in Südamerika
hat unsere Bemühungen für Beijing 2008 jedoch weiter verstärkt.
Klar, ein so gutes Ergebnis macht Lust auf mehr.
Wie häufig und wie viele Stunden trainiert ein Spitzensportler,
wie Sie pro Woche, um dem großen Ziel Olympia näher zu kommen?
Die Häufigkeit und Intensität ist von der Sportart abhängig.
Beim Segeln muss der Athlet jedoch besonders fit sein. Der Grund dafür
sind die hohen Geschwindigkeiten und Ziehkräfte. So bewegen sich
die Segel bei einigen Manövern bis zu 60 Stundenkilometer schnell.
Das erfordert neben einer hohen Konzentration vor allem körperliche
Fitness.
Welche Rolle spielt das Fitnessstudio bzw. die Fitnessanlage in
Ihrem Trainingsplan?
Hier muss man wieder zwischen Vorschoter (Vordermann) und Steuermann (Hintermann)
unterscheiden. So muss der Vorschoter, der im vorderen Bereich des Bootes
das Segel und den Spinnaker setzt, besonders intensiv trainieren. Schließlich
kann er mit Hilfe des Gewichtstrimm dafür sorgen, dass das Boot schneller
fährt. Trotzdem muss auch der Steuermann fit sein. Denn beide müssen
an einem Wettkampftag bis zu drei Rennen bestreiten. Das verlangt viel
Kraft ab.
Müssen bestimmte Muskelpartien besonders intensiv trainiert
werden?
Als Segler legen Sie besonders Acht auf den Arm-, Schulter- und Bauchbereich.
Die meisten unterschätzen jedoch die Oberschenkel. Sie geben zusätzliche
Stabilität in den Körper. Speziell auf dem Wasser im Trapez
kann dies ein Vorteil sein.
Sie kommen im Jahr viel rum und verbringen den Hauptteil Ihrer
Zeit mit dem Training. Bleibt da noch Zeit für´s Studium?
Ja, das gestaltet sich manchmal ganz schön schwierig. Ich bin rund
300 Tage im Jahr auf Wettkämpfen unterwegs. Dank einer guten Organisation
komme ich an der Hochschule allerdings ganz gut mit. Dabei setze ich vor
allem auf ein effektives Krafttraining und lasse mich hierbei von Experten
beraten. So bleibt mehr Zeit für das Studium.
Herr Polgar, Sie trainieren die meiste Zeit am Olympiastützpunkt
in Kiel. Kommen Sie gebürtig auch aus der Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins?
Nein, ich erblickte im Sauerland das Licht zur Welt. In meiner Kindheit
erlernte ich das Segeln auf einer der zahlreichen Talsperren, dem Biggesee.
Als sich die ersten nationalen Erfolge, wie der Sieg bei den Deutschen
Jugendmeisterschaften einstellten, führte kein Weg mehr an einem
Olympiastützpunkt vorbei. Denn hier werden Deutschlands Sporttalente
für die großen Wettkämpfe fit gemacht. Mit meinem Segelpartner
Florian Spalteholz trainiere ich jetzt in Kiel. Florian ist allerdings
gebürtiger Hamburger.
Das Interview führte Timo Stehn, PR-Referent des VDF
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